Kräuterlexikon
Ackerwinde (Convolvulus arvensis)
Die Ackerwinde ist fast kahl und hat bis zu 1m lange sich windende oder kriechende Stängel. Die Sprossen sind unterirdisch. Die Blätter sind eiförmig und bis zu 4 cm lang. Blütezeit ist von Mai bis September. Die Ackerwinde wächst auf der ganzen Welt auf Feldern,
in Gärten und an Wegrändern. In der Medizin wird sie hin und wieder zusammen mit anderen Wirkstoffen gegen Verstopfung oder Darmträgheit eingesetzt.
Anis (Pimpinella anisum)
Süsser Kümmel, Römischer Fenchel
Der Anis ist eine einjährige Pflanze, die bis zu einem halben Meter hoch werden kann. Sie hat hellgrüne, gefiederte Blätter und weisse Blütendolden. Die weissen Samen befinden sich in kleinen eiförmigen, harten, graubraunen Früchten. Anis kann ab Ende März, Anfang April, ausgesät werden, jedoch nicht früher, da die Keimlinge keinen Spätfrost vertragen. Auf Grund des stark süsslichen Geschmacks kann der Anis sehr vielseitig verwendet werden. Er dient als Gewürz für Gebäck, Sossen, Salate und Gemüse. Die Früchte kann man zur Herstellung von Anisöl und ebenfalls Anislikör verwenden.
Apfelminze (Mentha suaveoleus)
Rundblättrige Minze
Die Apfelminze wird bis zu 60cm hoch. Ihre Verbreitung ist allerdings weniger wuchernd als bei anderen Minzarten. Die Blätter sind rund, runzelig und riechen nach Apfel. Im Spätsommer blüht sie weisslich
bis rosa.
Ihre Heimat ist das südliche und westliche Europa. Ihr Anbau entsprechend recht einfach. Wächst bevorzugt in feuchter, nährstoffreicher Erde und verträgt keine direkte Sonne. Übersteht auch problemlos die Winterzeit. Wegen des milden Geschmacks eignen sich die Blätter ideal zum Würzen von Obstsalaten und Getränken. Auch getrocknet bleibt das Aroma lange erhalten.


Ingwer - mit
Schärfe gegen Übelkeit
Kaum ein Immuntipp kommt ohne Ingwer aus. Seine
Inhaltsstoffe, allen voran die Gingerole, wirken antiviral,
hemmen Entzündungen und bringen den Darm auf Trab
B
ei uns heißt das „Oberkante Unterlippe“
-dieses Gefühl von Übelkeit, das gerade
noch auszuhalten ist, aber stetig latent
lauert. Es tritt beim Reisen auf, nach unverträgli
chen Mahlzeiten, durchfeierten Nächten oder
während der Schwangerschaft. Wie gut, wenn
es im Haushalt heißes Wasser, eine Zitrone und
eine Ingwecknolle gibt. Denn damit sind schon
alle Zutaten für ein sehr wirksames Mittel
gegen diese Übel keit vorhanden. Und die
Abwehr kräfte erhalten damit auch gleich
einen kräftigen Schub
Tipp: Die Onkologie der München-Klinik setzt gegen die Übelkeit bei Schluckbeschwerden unter anderem auf Aromatherapie: Ingweröl in der Duft-
lampe mit Wasser verdampfen lassen.

Die Pflanze
Die meisten kennen nur die knubbelige
hellbraune Knolle des Ingwers (Zingiber
officinale) mit ihrem gelben, stark faseri-
gen Inneren. Genauer gesagt, sein Rhizom.
Solche unterirdischen Sprossen wachsen
horizontal. Aus den für Ingwer so typi-
schen Knoten können dann neue Pflanzen
wachsen. Sie haber ebensolche Augen wie
eine Kartoffel- und wie bei der Kartoffel
dient die Wurzel als Nahrungsspeicher für
die Pflanze. Das macht sie für uns so wert
voll. Aus der Pflanze wachsen schmale bis
zu einem Meter hohe, schilfihnliche Blic-
ter. Werden sie gelb, kann der Ingwer ge
erntet werden.
Tipp: Ingwer lässt sich prima zu Hause
züchten. Dazu eine frische Knolle in
einen verschließbaren Gefrierbeutel
geben und in die Sonne legen, bis sich
Sprosse zeigen. Der Beutel fungiert
wie ein Gewächshaus. Anschließend
einpflanzen und an einen hellen Platz
stellen. Frucht halten.
Altes Heilwissen
Der Ingwer stammt aus Indien und China.
In der ayurvedischen Heilkunde gilt Ing
wer als Allheilmittel, weil er vor Übelkeit
schützt, das Agni, das Verdauungsfeuer,
anregt, schweißtreibend wirkt und sowohl
die Galle als auch die Atmung auf Trab
bringt. Das Ayurveda unterscheidet zwi-
schen Ingwer als Pulver (Shunti) und der
frischen Knolle (Ardraka). Beide wirken
ähnlich, aber während das Pulver einen
cher süßlichen Nachgeschmack hat, ist der
der Knolle scharf.
Später brachten ihn die Römer nach Euro-
pa, wo ihn unter anderem auch I lildegard
von Bingen nutzte, um ihren Fastenkeks"
zu backen, mit dem sie in Fastentage starte-
te: „Bevor er den Ingwer-Keks nimmt, soll
er sich, wenn er kalt ist, vorher am Feuerer
wärmen und dann erst nehmen und nach
der Einnahme eine Zeitlang wachend auf
dem Bett ausruhen, und nach dem Aufste
hen langsam hin und her gehen, jedoch so,
das die Kälte ihm nicht schader."
Ingwer enthält viel Vitamin C und ist reich
an Magnesium, lisen, Kalzium, Natrium,
Phosphat und Kalium. Den Ruf als Im mua Superfood verdankt er den Stoffen Gingerol und Shogaol. Beide haben eine stark antioxidative und entzündungshem- mende Wirkung. Während viele Pflanzen durch Hitze an Wirkstoffen verlieren, ist es heim Ingwer umgekehrt. Das Gingerol des fitschen Ingwers wandelt sich beim Erhit zen oder Trocknen in das noch wirksamere
Shogaol. We keinen frischen Ingwer mag
kann also bedenkenlos mit Ingwerpulver
würzen.
Anwendungstipp Kapseln
Nach jüngsten Studien sollen Ingwerkap-
seln bei Periodenschmerzen und Migräne
helfen, weil sie Kopfschmerzen, Übelkeit,
Krämpfe und Muskelschmerzen reduzie
ren. Dazu schon ab zwei Tagen vor Beginn
der Periode mindestens 2 g Ingwerpulver
täglich einnehmen.
Hinweis: Ingwer wirkt blutverdün-
nend. Daher sollte vor einer OP
und bei gleichzeitiger Einnahme
von Blutver dünnern Vorsicht gelten.
Ingwerwasser
Lassen Sie 10 dünne Scheiben einer
frischen ungeschälten Bio-Ingwerknolle
und ein Viertel Biazitrone 10 Minuten
lang in he Bem Wasser köcheln. Abgie-
Ben und trinken. Je länger der Tee zieht,
umso schärfer wird er. Im Ayurveda soll
Ingwerwasser nur bis Mittag getrunken
werden, da es beleat und anregt.
Ingwershot
Zutaten:
> 100 g Bio-Ingwerknoll > 2 Biozitronen
> 100 ml Bioapfelsaft
> 50 ml Agavendicksaft oder Biohonig
> I TL Zimt oder Kurkuma
Zubereitung:
Den geschälten Ingwer in Stücke
schneiden, die Zitronen auspressen.
Alle Zutaten pürieren und durch ein
Sieb in eine Glasflasche füllen. Im
Kühlschrank ist der Shot einige Tage
haltbar. Täglich 50-100 ml pur oder
verdünnt trinken. Quelle: AOK Sachsen
Tipp: Wer es schafft, trinkt den Shot mit
den Ingwerfasern. Sie sind hervorragen-
de Ballaststoffe für den Magen
(siehe auch Seite 68f).
Schnelle-Immunsuppe
Zutaten:
> 300 g Karotten
> 1 Zwiebel
> 1 Stück Ingwer (ca. 2 cm)
> 1 EL Olivenöl
> 400 ml Gemüsebrühe
> 50 ml Kokosmilch oder Orangen-saft
> Salz, Pfeffer, Kurkuma nach Ge-
schmack
Zubereitung:
Das Gemüse schälen und würfeln,
Ingwer fein hacken. Alles im Oliven öl
kurz anbraten und dann 5 Minuten
dünsten. Mit Brühe aufgießen, weitere
15 Minuten köcheln. Fein pürieren und Kokosmilch oder Saft unterrühren.
Würzen und genießen.
Knoblauch-
ein bewährter Keimkiller
Erst das Hacken oder Schneiden bricht die Pflanzenzellen des Knoblauchs auf. So kann das Allicin entstehen, dem die Knolle ihre antivirale Wirkung verdankt
wirken. Sie haben überraschend viele gute Eigenschaften: Se
reduzieren sie Ablagerungen an den Gefäßwänden und senken
den Cholesterinspiegel sowie den Blutdruck. Ein Nachteil ist
ihr intensiver Geschmack und Geruch. Vor allem für das Im-
munsystem ist der Knoblauch interessant. Denn er wirkt gegen
zahlreiche Bakterienstämme, aber auch gegen Viren und Ein-
seller. Da er die Aktivität der Makrophagen, der natürlichen
Killerzellen, sowie der T-Lymphoxyten stimuliert, darf man
ihn getrost in die Gruppe der immunstimulierender. Heil-
pflanzen mit antibiotischer Wirkung einreihen.
Zur Pflanze
Hinter den schmalen Blättern und der kleinen, hübschen Blüte
steckt ein Kraftpaket. Vergleichbar keimtötend wirken die Kü
chenzwiebel und der heimische Bärlauch. Am besten verwendet
man den Knoblauch frisch in der Küche, da jede industrielle
Weiterverarbeitung, zum Beispiel zu Kapseln, die Wirkung der
geruchsintensiven Inhaltsstoffe reduziert. Wer den Knoblauch
konservieren möchte, kann ihn einlegen, einen Ölauszug oder
eine Tinktur herstellen, ohne die Wirksamkeit zu beeinträchti-
gen. Knoblauch ist immer mit einem typischen Aroma verbun
den, das viele lieben, das aber nicht bei jedem gut ankommt.
er Knoblauch (Allium sativum) ist eines der
wichtigsten pflanzlichen Antibiotika. Seine
keimtötende Wirkung beruht auf dem Gehalt
an schwefelhaltigen Verbindungen, die auch
antientzündlich und durchblutungsfirdernd

D

Altes Heilwissen
Knoblauch zählt zu den ältesten bekannten
Heilmitteln. Beim Bau der Cheops-Pyramide
vor mehr als 4000 Jahren bereiteten Köche
täglich Mahlzeiten aus Knoblauch, Zwiebeln
und Lauch, um die Arbeiter gesund und kräftig
zu erhalten. Für eine andere Art der
Erhaltung füllen die Ägypter den keimredu-
zierender Knoblauch in die Mundhöhlen von
Mumien. In der Antike schildert der grie-
chische Arzt Dioskurides die wurmtrei
bende und entwässernde Qualität der Knolle.
Nachdem der Knoblauch in unseren Breiten
angekommen war, ordnete Karl der Große an,
das Heilmittel des Landvolkes in allen Gärten
zu kultivieren. Im Mittelalter erhofften
sich die Menschen von der stark riechenden
Pflanze Schurz gegen Hexen und Geister.
Filme über Vampire und Graf Dracula halten
diese Idee wach und erinnern uns an die alte
schutzmagische Kraft der weißen Knolle.
Anwendungstipp: Roh essen
Roh hat Knoblauch die höchste Wirkkraft. Wenn er gekocht wird, die Zehen erst kurz
vor Schluss zum Essen hinzufügen.
Anwendungstipp bei Allergien
Personen, die Knoblauch nicht vertragen, können auf andere natürliche Antibiotika ausweichen. Das gilt auch für Personen,
die Blutverdünner einnehmen. In Betracht kämen je nach Erkrankung zum Beispiel Thymian, Kapuzinerkresse oder auch
Oregano.
Knoblauchöl
Zutaten:
>2-3 Knollen Knoblauch
> gutes Olivenöl
Zubereitung:
Die frischen Zehen schälen und sehr klein schneiden oder pürieren. In ein kleines Schraubglas füllen und mit Öl auffüllen.
Eine Woche ziehen lassen. Je nach Verträglichkeit nimmt man täglich 1 TL ein oder verwendet das Knoblauchol in der Küche.
Anwendungstipp bei Allergien
Empfohlen wird, zwei bis drei Wochen lang täglich ein Schnapsglas des Elixiers zu trinken. Eine Woche pausieren,
dann weitermachen.
Zutaten:
> 5 Biozitronen
> 2 Knollen Knoblauch
> 11 Wasser
Zubereitung:
Zitronen zunächst gründlich waschen und vierteln. Knob lauchzehen auslösen und schälen. Alles im Mixer fein zer- hacken, wenn erforderlich, etwas Wasser hinzufügen. Mit
Wasser in einen Topf geben und alles einmal aufkochen. Saft abseihen und noch heiß in eine Flasche füllen.
„Schlempe" nach Krämer
Zutaten:
> 100g Bio-Ingwer
> 3 ganze Biozitronen
>1⁄2 Knolle Knoblauch geschält
>50 g frische Kurkumawurzel geschält
>20 schwarze Pfefferkörner
Zubereitung und Dosierung:
Alles klein schneiden, Pfeffer grob zerstoßen, mit 1 Liter Wasser aufgießen und einmal aufwallen lassen. Die Schlempe durch ein Küchentuch abseihen und in braune
Flaschen füllen.
Zur Vorsorge 2x täglich nach dem Essen ein Schnapsglas pur oder mit heißem Wasser verdünnt einnehmen. Bei akutem Infekt viermal täglich.
