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Todesanzeigen
Wir ehren die Verstorbenen und sprechen den Hinterbliebenen, insbesondere den Angehörigen sowie nahestehenden Freundinnen und Freunden, unsere herzlichste Anteilnahme aus.
Mögen die Erinnerungen an schöne Momente Ihnen Trost und Kraft schenken.
Zu Ehren von
Walter Neukom
Zürcher Unterländer
10 April 2025

Zu Ehren von
Fritz Diggelmann

Zu Ehren von
Ursula Hauenstein

Zu Ehren von
Virginia Oliver
NZZ AM SONNTAG
8.2.26
Lippenstift und Fischerhosen
Virginia Oliver, die über neun Jahrzehnte lang an der Küste von Maine mit ihrem Boot zum Hummerfang hinausfuhr, ist 105-jährig gestorben. Von Adrian Meyer
Jedes Mal, wenn sie in See stach, trug Virginia Oliver Ohrringe und rosa Lippenstift zu den Fischerhosen, die ihr bis zur Brust reichten. Man könne schliesslich nie wissen, wen man treffe, sagte sie einmal. Dreimal in der Woche schipperte sie durch das Archipel der Muscle Ridge Islands an der Küste des USGliedstaates Maine, um Hummer und Krabben zu fangen. Sie tat dies über neun Jahrzehnte lang. Zum ersten Mal steuerte sie ein Fischerboot als achtjähriges Mädchen. Noch als Hundertjährige hatte sie davon nicht genug. «Ich höre erst damit auf», sagte sie in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS. «wenn ich sterbe.»
Auf dem Boot, das ihren Namen trug, war sie der Boss. Jahrzehntelang fing sie mit ihrem Ehemann Bill Hummer und Krabben. Immer war sie die einzige Frau weit und breit, die diesen Knochenjob erledigte. «Für andere ist das vielleicht harte Arbeit», sagte sie zum «Boston Globe», «aber nicht für mich.» Nachdem ihr eine Krabbe vor ein paar Jahren beinahe einen Finger abgebissen hatte, fragte der Arzt, warum sie da draussen überhaupt noch fischen gehe in ihrem hohen Alter. «Weil ich es will», sagte sie.
Geboren wird Virginia «Ginny» Oliver 1920 im Fischerstädtchen Rockland, Maine. Ihre Eltern sind selbständige Hummerhändler auf <«The Neck», einem Inselchen des Muscle-Ridge-Archipels südlich von Rockland. Virginia ist das jüngste von drei Kindern. Während des Schuljahres lebt sie beí ihrer Tante in der Stadt. Ihre Sommer aber verbringt sie auf den Inseln. Dort hat die Familie ihre Fischgründe. Früh hilft sie mit im Familienbetrieb, verkauft Köder oder Benzin. Als sie als Achtjährige schliesslich selber ans Steuer darf, bekommt sie eine neue Aufgabe: Frühmorgens sammelt sie mit dem Boot die Angestellten ihres Vaters ein, die auf anderen Inseln des MuscleRidge-Archipels leben.
Bald hilft sie auf dem Krabbenkutter ihres Vaters mit. Sie sortiert die zu kleinen Fänge aus, bindet Gummibänder um die Klauen der Tiere, reinigt und repariert die Fallen, steuert den Kahn. Zu der Zeit sind die Hummerfallen noch aus Holz, die Netze für die Reusen stellt sie selber her. Jahrzehntelang wird sie diese Arbeit verrichten. «Ich mache das gerne», sagt sie einmal. Die See hat es ihr angetan. Sie habe es geliebt. «wie die Sonne auf dem Wasser glitzerte und wie der Himmel bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang seine Farben wie ein wunderschönes Gemälde veränderte» - so steht es im Kinderbuch «Die Hummerdame» der preisgekrönten Autorin Barbara Walsh, das Olivers Leben beschreibt. Auf dem Wasser habe es immer etwas Besonderes zu sehen gegeben. Etwa Robben, die aus den Wellen auftauchen und grüssend schnauben.
Als 17-Jährige heiratet sie ihren Mann Maxwell «Bill» Oliver, auch er ist Fischer von Beruf. Mit ihm bekommt sie vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter.

«Du kannst dich nicht bewegen, wenn du es nicht tust»: Virginia Oliver, damals 101, bei einer Ankunft zurück im Hafen.
Bis das jüngste neun Jahre alt ist, kümmert sie sich vornehmlich um den Haushalt. Dann übernimmt sie Nachtschichten in einer örtlichen Sardinenfabrik, bevor sie fast zwei Jahrzehnte lang in einer Druckerei arbeitet. Dort muss sie teilweise 25 Kilogramm schwere Kartonschachteln schleppen. Irgendwann wird ihr das zu viel, Sie will zurück aufs Meer und kündigt - sehr zur Überraschung ihres Mannes. «Als Hummerfischerin», sagt sie zum Magazin «Down East», «muss ich bloss halb so hart arbeiten und kann mein eigener Chef sein.»
Zusammen fischt das Ehepaar Oliver 36 Jahre lang, bis zu Bills Tod im Jahr 2006. An Bord hat sie das Sagen. «Јеmand muss der Chef sein», erklärt sie im Kinderbuch «Die Hummerfrau». «Warum also nicht ich.» Bald heisst der Kutter ihres Gatten «Virginia». Nach dessen Tod fährt Olivers Sohn Maxwell junior mit ihr aufs Meer. In der Sommersaison stehen sie dreimal in der Woche um 2 Uhr 45 auf, um Hummer und Krabben zufangen. An den anderen Tagen klingelt der Wecker erst um 4 Uhr 45.
Ihr Sohn übernimmt die körperlich anstrengenden Aufgaben. Er zieht die bis zu 400 Fallen aus dem Wasser, während sie den Fang sortiert oder die Köder vorbereitet. Achtzehn Jahre lang sind sie ein Team. Ein Sturz zwingt Oliver schliesslich, doch aufzuhören. Da ist sie 103 Jahre alt. Zu der Zeit ist sie in ihrer Heimat längst zur Legende geworden. Sie gilt als die wohl älteste Hummerfischerin weltweit. Bekannte bezeichnen sie als bescheidene, hart arbeitende, liebenswerte Frau. Aber auch als eine, mit der man sich besser nicht anlege, da sie fluchen könne wie ein Seemann.
Was ihr Geheimnis sei, fragt ein
Reporter sie einst in einem Dokumentarfilm des Senders PBS. «Beschäftigt bleiben, weiterarbeiten», sagt sie. Sie tue, was sie wolle. Es sei ihr egal, was andere dächten. Hauptsache, sie bleibe unabhängig. Und so steuert sie als Hundertjährige nicht nur ihr Boot selber, sondern auch ihren Pick-up-Truck, mit dem sie täglich unterwegs ist, um einzu- kaufen oder Bekannte zu treffen. Man müsse immer weitermachen, sagt sie, sonst lande man im Rollstuhl. «Du kannst dich nicht bewegen, wenn du es nicht tust.»Wer nicht in Bewegung blei- be, werde nichts erreichen. «Und das ist kein Leben.»
Zu Ehren von
Elisabeth Escher

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